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World Chocolate Masters - Nationale Vorentscheidung
In November 2008 fand in Köln der German Chocolate Master
2008-09 statt. Nach zwei Tagen intensiven Wettbewerbs auf höchstem
Niveau konnte sich Frau Michaela Karg, aus dem Café am Kreuzgang in
Feuchtwangen, souverän gegen die anderen Wettbewerber durchsetzen.
Ihre Kreationen stellten eine Zeitreise durch verschiedene Stile
unterschiedlicher Epochen dar.
Mit dem Sieg qualifizierte sich Michaela Karg für das Finale der
„World Chocolate Masters 2009“, das vom 14.-16. Oktober 2009 im
Rahmen des Salon du Chocolat in Paris stattfindet. Dort wird sie
gegen 19 andere nationale Gewinner um den begehrten Titel des
„World Chocolate Master 2009“ kämpfen.
Wir haben die Frau Michaela Karg in der Konditoren-Meisterschule zu Köln bei Ihren Vorbereitungen auf das Finale besucht. Dabei durften wir ihr nicht nur über die Schulter schauen und die ersten Kreationen bewundern, sondern auch ein sehr spannendes Interview führen.
Hallo Frau Karg.
Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben
und ich Ihnen bei Ihren Vorbereitungen auf das Finale der World
Chocolate Masters 2009 in Paris über die Schulter schauen
darf.
Unsere Leser sind sicherlich schon sehr gespannt, mehr über Sie
und Ihr Vorhaben zu erfahren. Können Sie uns zunächst einmal etwas
über sich selbst erzählen?
Mein Name ist Michaela Karg. Ich bin 27 Jahre alt und komme aus
Feuchtwangen in Mittelfranken. Mit 16 begann ich meine Lehre als
Konditorin, anschließend habe ich direkt Köchin gelernt. Dann fing
ich an etwas Berufserfahrung zu sammeln. 2006 besuchte ich die
Meisterschule der Konditoren an der Handwerkskammer in Köln und
machte dort danach noch den Betriebswirt des Handwerks. Seit 2
Jahren bin ich nun in unserem Familienbetrieb tätig.
Was war Ihre Motivation, den Konditorberuf zu
erlernen?
Wir haben einen Familienbetrieb, der eine lange Tradition hat.
Somit bin ich schon als Kind damit aufgewachsen und werde den
Betrieb auch übernehmen.
Frau Karg, Sie haben vergangenen November bei den German
Chocolate Masters Teil genommen. Was war Ihre Motivation, sich für
den Wettbewerb anzumelden?
Es war schon immer ein Traum, bei einem Wettbewerb Teil zu nehmen.
Ich war nur nicht sicher, ob der Zeitpunkt richtig ist. Doch durch
zahlreichen Zuspruch im Freundes- und Familienkreis habe ich mich
dann doch dafür entschieden, mich zu bewerben.
Was haben Sie von der Teilnahme am Wettbewerb erwartet?
Nun, ich wollte einfach erleben, wie es ist, bei so
einem Wettbewerb mit zumachen, und schauen, wie weit ich komme. In
erster Linie war es für meine persönliche Entwicklung.
Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Ja, sogar mehr als das! Ich hätte nie damit gerechnet, gleich den
ersten Wettbewerb zu gewinnen. Ich habe eigentlich gar nicht
darüber nachgedacht. Umso mehr habe ich mich natürlich darüber
gefreut.
Welchen Eindruck hatten Sie von dem Wettbewerb? Hat es
Ihnen gefallen?
Der Wettbewerb war für mich ein unvergessliches
Erlebnis. Es hat sehr viel Spaß gemacht, die ausgearbeiteten Ideen
zu präsentieren. Die Siegerehrung verging leider wie im Traum aber
ich weiß, dass es ein wunderschöner Moment für mich war.
Gibt es bestimmte Erlebnisse aus dem Wettbewerb, die
Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ich glaube für mich wird der gesamte Wettbewerb immer in Erinnerung
bleiben.
Was war denn der schönste Moment des gesamten
Wettbewerbs für Sie?
Der schönste Moment war erstaunlicherweise nicht die Siegerehrung,
sondern der Moment in dem ich meine letzte Kreation präsentiert
habe. Die ganze Anspannung ist von einem abgefallen und ich war so
erleichtert, dass ich alles geschafft habe.
Und was war der schlimmste Moment?
Der schlimmste Moment war, als ich am Anfang sofort losgelegt habe,
ohne daran zu denken, dass die Schokolade nicht temperiert ist, und
dadurch Zeit verloren habe.
Nun, Sie haben nicht nur erfolgreich Teil genommen,
sondern sind auch als Siegerin aus dem Wettbewerb hervorgegangen.
Was bedeutet der Titel „German Chocolate Master“ für Sie
persönlich?
Ich merke es vor allem im Betrieb. Viele Menschen sprechen mich
darauf an und interessieren sich dafür.
Das heißt der Titel hat auch direkte Auswirkungen auf
Ihren Beruf?
Ja, auf jeden Fall. Das Interesse seitens der Kunden
ist wirklich groß.
Frau Karg, wir befinden uns jetzt in der
Konditoren-Meisterschule in Köln, wo Sie sich auf das kommende
Finale in Paris vorbereiten. Wie sehen diese Vorbereitungen
aus?
Zunächst fängt man damit an, sich ein Konzept im Kopf zu überlegen.
Man sucht Ideen, bringt sie zu Papier, macht viele Entwürfe und
Proben, bis es dann in die Fertigstellung und Feinarbeit geht.
Gibt es jetzt einen Unterschied zu den Vorbereitungen
auf die Vorentscheidung?
Auf jeden Fall! Denn der Maßstab liegt deutlich über dem nationalen
Entscheid. Die Erwartungen sind natürlich viel höher, somit auch
der Aufwand in den Vorbereitungen.
Bekommen Sie denn auch Unterstützung oder sind Sie ganz
auf sich allein gestellt?
Die meiste Unterstützung bekomme ich von Nicht-Fachleuten. Sie
inspirieren mich zu neuen Ideen, die ich dann in den Kreationen
umsetzen kann. Und es ist auch sehr hilfreich, dass ich hier [in
der Konditorschule] üben kann. Die letztendliche Umsetzung liegt
natürlich bei mir.
Frau Karg, Sie haben jetzt schon mehrmals das Konzept
angesprochen. Setzen Sie bestimmte Schwerpunkte bei Ihren
Vorbereitungen?
Schwerpunkte würde ich nicht sagen. Ich versuche alles nacheinander
abzuarbeiten. Das Schaustück ist soweit fertig. Einige Feinheiten
werden natürlich noch hier und da gemacht – man probiert Dinge aus,
doch das Grundkonzept steht. Und ich fange jetzt mit den Pralinen
an.
Sie haben so eben das Schaustück und die Pralinen
angesprochen. Die dritte Aufgabe ist ein Schokoladendessert. Stehen
die Kreationen einzeln für sich unter dem Aspekt der Haute Couture
oder gibt es einen Zusammenhang?
Ein roter Faden muss durch alle Kreationen erkennbar
sein. Haute Couture ist das Thema und durch mein Konzept versuche
ich die Kreationen miteinander zu verbinden.
Haben Sie eine Lieblingsaufgabe - Schaustück, Dessert
oder Praline?
Alle Aufgaben sind für sich sehr schön und
interessant. Doch das Schaustück ist meiner Meinung nach das Beste,
da man die Möglichkeit hat, sich künstlerisch auszudrücken. Es ist
die schönste Art, sich und das Handwerk darzustellen.
Es sind noch drei Monate bis zum Finale. Kommt schon
langsam die Aufregung?
Diese war auch schon vor drei Monaten da. Die Anfangszeit ist immer
am schlimmsten, da man sich viele Gedanken macht und Ideen sucht.
Sobald das Konzept steht, wird man ruhiger und kurz vor dem
Wettbewerb kann man es kaum erwarten. Das war auch beim letzten Mal
so – zwei Wochen vor dem Wettbewerb wollte ich nur noch
loslegen.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Hmm, das ist schwierig. Zur Zeit freue ich mich darauf, dass das
Konzept steht, und ich mit meinen Vorbereitungen fertig werde.
Gibt es etwas, was Sie besonders fürchten? Etwas, was
schief laufen könnte?
Fürchten? Nicht direkt. Es gibt einige Sachen, die schief laufen
könnten, insbesondere beim Transport. Doch ich hoffe, dass wir
alles heil nach Paris bekommen.
Eine letzte Frage zum Schluss: Frau Karg, Sie kommen aus
Franken. Und unsere Leser kommen aus ganz Deutschland. Können Sie
uns eine fränkische Spezialität aus dem Konditoreibereich verraten,
die man sonst nirgendwo kennt?
Eine typische Spezialität sind „Schneeballen“.
Was ist das genau?
Es ist eine Art Schmalzgebäck in heißem Fett
ausgebacken. Angeboten werden diese überall in Franken.
Ich bedanke mich ganz herzlich für das interessante und
aufschlussreiche Gespräch und wünsche Ihnen im Namen des gesamten
Barry Callebaut Teams noch viel Erfolg und Spaß bei den
Vorbereitungen.
Auf Wiedersehen Frau Karg. Wir sehen uns in Paris!
